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Die Artistik als eine der ältesten Künste der Menschheitsgeschichte kann auf eine Geschichte von über 4000 Jahren zurückblicken - im Gegensatz zum Zirkus, der erst Ende des 18. Jahrhunderts entstand. Wenn auch der Begriff der Artistik eng mit dem Zirkus verknüpft ist, so sind deren Auftrittsmöglichkeiten weitaus breiter. Wir finden sie im Va­rieté wie in Theatern, auf der Straße wie auf dem Kreuzfahrtschiff, in allen möglichen Programmformen sowie Ein­satzorten. Zudem ist sie geprägt durch ihre Einbeziehung von Elementen anderer Künste wie Tanz, Musik, Theater bis hin zu den modernen Medien. Es gibt Berührungspunkte zum Sport, zur Bildenden Kunst und zur Technik. Das ermöglicht der Artistik eine unvergleichbare Differenziertheit ihrer Genres und Stile. Bewegung, Musik und Farben verschmelzen in ihr zu einem virtuosen Kunstwerk, das alle Sinne anspricht. Die Geschichte der Artistik und des Zir­kus will die Entwicklung und Erscheinungsformen dieser unterhaltenden Künste von den frühen Hochkulturen bis zur Gegenwart im Überblick darstellen. Sie reicht von den fahrenden Künstlern des Altertums, unter denen sich ne­ben denjenigen, die wir heute als Artisten bezeichnen, auch die Spielleute, Sänger, Musikanten, Tänzer, Komödianten und viele andere befanden, bis zu den hoch spezialisierten Artisten der Gegenwart. Während sich der erste Band mit der Zirkushistorie in Deutschland, aber auch der Entwicklung der Zirkuskunst auf allen Kontinenten beschäftigt, widmet sich der zweite Band den verschiedenen Bestandteilen der Artistik: ihren ein­zelnen Genres von der Akrobatik bis zur Zauberkunst sowie den Artistenkostümen, der Zirkusmusik, der Werbung und der wechselseitigen Beeinflussung von Zirkus und Theater. Den Spuren der Artisten durch die Jahrtausende folgend, offenbart sich ihre Kreativität und ihre Spielfreude, die Ernsthaftigkeit und Mühen des Trainings ebenso wie die glänzenden Erfolge. Es ist eine Kunst für alle, die an Attrak­tivität nichts verloren hat.

Gisela Winkler, Von fliegenden Menschen und tanzenden Pferden,  Band 1: Die Geschichte der Artistik und des Zirkus, 572 Seiten, 381 teilweise farbige Bilder, ISBN 978-3-935194-71-6, 38 Euro,
Band 2: Die Künste der Artistik, 620 Seiten, 396 teilweise farbige Bilder, ISBN 978-3-935194-72,3, 38 Euro,
beide Bände zusammen ISBN 978-3-935194-70-9, 58 Euro

 

 

 

 

 

 

 

Unter den zahllosen Tierlehrern hat es immer wieder herausragende, ungewöhnliche Persönlichkeiten gegeben. Eine der originellsten war zweifellos „Kapitän“ Alfred Schneider, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als „Herr der 100 Löwen“ bekannt war. Der gebürtige Leipziger hatte seine artistische Karriere als Radartist mit „Todessprüngen“ begonnen, wechselte dann aber unvermittelt in die Raubtierdressur. Er vergrößerte die Anzahl seiner Löwen, mit denen er liebevoll sächselte und die er wie eine Schar manchmal unartiger Kinder behandelte. Mit seiner Frau Marcella baute er schließlich einen eigenen Zirkus auf. Er war Dompteur, Zirkusdirektor, Erfinder und Reklamegenie, spielte mit seinen Löwen in der „Quo vadis“-Verfilmung wie anderen Filmen mit, erlebte mehrere Pleiten und gab doch nie auf, bis eine Verletzung durch eines seiner Tiere seinem Leben ein Ende setzte.In der deutschen Zirkusgeschichte ist sein Name aber unvergessen. 

Dietmar Winkler, „Kapitän“ Alfred Schneider. Ein Sachse unter hundert Löwen, Edition Schwarzdruck, Gransee 2014, 315 S., zahlr., z. T. farbige Abb., ISBN 978-3-935194-66-2, 27 €

 

 

 

 

Artisten und Zirkuskünstler waren ständig unterwegs und ihnen blieb kaum Zeit, sich mit der Geschichte ihres Berufes zu beschäftigen. Selbst zum Aufschreiben ihrer Memoiren kamen sie nur in den seltensten Fällen. So waren es meist Außenstehende - Journalisten oder Schriftsteller - die sich der Beschäftigung mit der Zirkushistorie annahmen. Sachkundig und mit viel Liebe zum Zirkus und zu den Artisten schilderten sie diese buntschillernde Welt und beschrieben in ihren Arbeiten historische Ereignisse, zeitgenössische Tendenzen, aber auch die seinerzeit bekannten Akrobaten, Tierlehrer, Clowns und Direktoren. Drei der wichtigsten Publizisten wurden für diesen Band ausgewählt: Paula Busch, Karl Döring und Signor Saltarino.Paula Busch, Tochter eines der berühmtesten deutschen Zirkusdirektoren, lernte den Zirkusbetrieb von Kindesbeinen an kennen, war Regisseurin und Zirkusdirektorin, aber auch eine erfolgreiche Schriftstellerin. Karl Döring, selbst nie im Zirkus tätig, wurde nach der Universitätsausbildung Journalist und ein begeisterter Zirkusliebhaber, der engen Kontakt zu den Künstlern der Manege und den Zirkusdirektoren pflegte. Signor Saltarino wiederum, der als Jugendlicher zu den Fahrenden durchbrannte, stand als Artist in der Manege und wurde als Redakteur und Autor ein erster Chronist des Artistentums.Alle drei vereint in ihren für diesen Band ausgewählten Beiträgen ihre Begeisterung für die Kunst der Manege, ihr profundes Wissen um die Zirkusgeschichte und ihre Verbundenheit mit den Artisten.Die hier zusammengestellten Arbeiten stammen aus dem Zeitraum von 1890 bis 1930 und lassen Zirkusgeschichte als Zeitreise lebendig.

Über Zirkuskunst. Texte von Paula Busch, Karl Döring und Signor Saltarino. Herausgeben und mit drei Biographien versehen von Dietmar Winkler, Edition Schwarzdruck, Gransee 2013, 299 S., zahlr. Abbildungen, ISBN 978-3-935194-58-7, 24 €

 


DIE BLUMENFELDS stellen in der deutschen Zirkusgeschichte in mancherlei Hinsicht eine Besonderheit dar: Sie waren eine der ganz wenigen jüdischen Zirkusfamilien und hatten in extremem Maße unter der Verfolgung durch den nazistischen Rassenwahn zu leiden. Sie bildeten eine außerordentlich große, weitverzweigte Familie und so gab es nicht den einen Zirkus Blumenfeld, sondern eine ganze Reihe von Unternehmen dieses Namens. Sie hielten länger als andere am Prinzip des Pferdezirkus fest und verkörperten so beispielhaft die klassische Tradition des Zirkus. In der Dokumentation werden die Entwicklungen und Familiengeschichten der einzelnen Familienzweige und ihrer Zirkusse verfolgt und ihre Schicksale dargelegt, die untrennbar mit der Geschichte der Juden in Deutschland verbunden waren. Dabei wird mit mancherlei Legenden aufgeräumt, die sich um die Geschichte der Blumenfelds ranken, und die Zirkusfamilie Blumenfeld erhält den ihr gebührenden Platz in der deutschen Zirkusgeschichte.

Gisela und Dietmar Winkler, DIE BLUMENFELDS. Schicksale einer jüdischen Zirkusfamilie, Edition Schwarzdruck, Gransee 2012, ISBN 978-3-935194-50-1, 460 Seiten mit 170 s/w Abbildungen, 28 €

 

 

 

ZIRKUS IN DER DDR - das waren die im VEB Zentralzirkus/Staatszirkus zusammengefassten Unternehmen Aeros, Barlay/Olympia/Berolina und Busch sowie die privaten Lizenzzirkusse. Ihre Programme waren in all den Jahren überaus beliebt, das hohe Können der Artisten international anerkannt. Die offizielle Kulturpolitik konnte allerdings wenig damit anfangen, da es einen »sozialistischen Salto« nicht gab. Manches lief im VEB Zentralzirkus nicht viel anders, manches aber doch ganz anders als in anderen volkseigenen Betrieben. Der Autor Dietmar Winkler beleuchtet alle Aspekte der Geschichte des DDR-Zirkus von 1945 bis 1990 ausführlich. Er berichtet von Artisten und Zirkuspfarrern, Clowns und Direktoren, Eintrittspreisen und Eisbären, Elefanten und Honoraren, Kulturpolitik und Parteisekretären, Ökonomie und Provisorien, Renten- und Reiseregelungen, Skandalen und Steuerproblemen, Subventionen und Technik, Tourneen und Verwicklungen - und das alles anhand außerordentlich vielfältiger Quellen. Entstanden ist ein Buch, das als Standardwerk jedem Zirkusfreund eine Fundgrube an Fakten bietet und zudem nebenbei eine der vielen Nischen im normalen DDR-Alltag beschreibt. Nicht nur Zirkusliebhaber werden ihre Freude an diesem Kompendium von spannenden und unglaublichen, gewöhnlichen und dennoch wirklich geschehenen Geschichten aus der DDR haben.

Dietmar Winkler, ZIRKUS IN DER DDR. Im Spagat zwischen Nische und Weltgeltung, Edition Schwarzdruck, Berlin 2009, ISBN 978-3-935194-30-3, 640 Seiten mit 180 s/w Abbildungen, 36 €

 

 

Ein Nachschlagewerk für all jene, die beruflich oder semiprofessionell mit der Materie befasst sind, ob Kinderzirkusse, Artistenschulen und Projektzirkusse, Journalisten, Ausbilder, Festivalorganisatoren und Juroren, Jongleur- und Magiervereine, Zirkus- und Varietéfreunde, insbesondere aber die neue Artistengenerationen, die seit Jahrzehnten ein solches kompaktes Nachschlagewerk vermissen. Es geht dabei um eine entstaubte Handreichung aus der Praxis für die Praxis. Auf der Grundlage der Definition von Artistik (gern verwechselt mit Akrobatik) wird der Bogen der Stichworte von Traditionellem in Zirkus und Varieté bis in die Grenzbereiche des Sports gespannt, die immer mehr Bühne und Manege erobern. Die Lemma werden knapp und präzise formulieret, Definitionen von Grundbegriffen auf den neuesten Stand gebracht. Neue Trends –  vom Cirque Nouveau bis beispielweise Pole Dance und New Burlesque  – fehlen nicht. Besonderes Augenmerk gilt jenen Genres und Tricks, die unter der Jugend und in der Straßenartistik sehr verbreitet sind wie Jonglage, Einradfahren, BMX, Break Dance, Diabolo und Devilsticks, ebenfalls Neuheiten, etwa Cyr Wheel und Poischwingen. In breit gefächerten Fachgebieten, beispielsweise bei Jonglage und Magie, werden einzelne Spielarten und wichtige Tricks einbezogen. Im Anhang sind ausgewählte deutsche Fachwörter in Englisch, Französisch und Russisch wiedergegeben. Alles das macht dieses Buch mit 143 Seiten und vielen Fotos auf bester Papierqualität zum modernsten Wörterbuch „unserer“ Szene.

VON ABFALLER BIS ZWÖLFERZUG. Ein Wörterbuch der Artistik, zusammengestellt von Gisela Winkler, Edition Schwarzdruck, Berlin 2010, 143 S., Abb., ISBN 978-3-935194-33-4, 18 €

 

 

„Das langsame Sterben eines Zirkus“, so titelte eine Zeitung 1999, als es mit dem Staatszirkus der DDR ein Jahrzehnt nach dem Ende der DDR ebenfalls zu Ende ging. Der Autor, selbst fast zwanzig Jahre im Staatszirkus der DDR und dem Nachfolgebetrieb Berliner Circus Union tätig, zeichnet anhand seiner persönlichen Erlebnisse an der Nahtstelle zwischen Unternehmen und Treuhandanstalt die Geschichte des Zirkusunternehmens zwischen der „Wende“ bis zum Jahre 2000 (und darüber hinaus) nach, gestützt auf Dokumente und Presseberichte. Die Bemühungen um den Erhalt der weltbekannten Dressur­gruppen und akrobatischen Darbietungen, die Konzepte für Privatisierungen, der fehlge­schlagene Versuch der Treuhand­anstalt, einen der drei Reisezirkusse des Staatszirkus der DDR an eine Theatergruppe zu verkaufen, das Vorhaben eines festen Zirkusbaues in Berlin und die Zerschla­gung der letzten Dressurgruppen im Jahre 1999 durch den Liquidator im Auftrag der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonder­aufgaben sind hier wie vieles andere dokumentiert. Anliegen des Autors war es, diese Geschehnisse festzuhalten, mit Legenden aufzuräumen und gleichzeitig den international hervorragenden Ruf des Staatszirkus der DDR und seiner Akteure nicht dem unverdienten Vergessen anheimfallen zu lassen.

Dietmar Winkler, Wie beerdigt man einen Zirkus? Das langsame Sterben des Staatszirkus der DDR, Edition Schwarzdruck, Gransee 2015, 127 S., Fotos, ISBN 978-3-935194-69-3, 13 €